{"id":24,"date":"2023-04-04T22:35:45","date_gmt":"2023-04-04T22:35:45","guid":{"rendered":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/?p=24"},"modified":"2023-04-04T22:35:45","modified_gmt":"2023-04-04T22:35:45","slug":"warum-ist-es-nachts-dunkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/?p=24","title":{"rendered":"Warum ist es Nachts dunkel?"},"content":{"rendered":"\n<p>Schaut man in den n\u00e4chtlichen Sternenhimmel, ist er wirklich fasst  pechschwarz. Selbst in klaren N\u00e4chten sind die Sterne nur als schwache Lichtpunkte am flackern. In bestimmten Konstellationen zueinander stehend, ergab dieser Anblick unsere Sternbilder: Die Menschen blickten nach oben und gaben den Sternenkonstellationen Namen, die sie an Dinge erinnerten, mit denen sie t\u00e4glich konfrontiert waren: Sch\u00fctzen, Waagen oder Jungfrauen. W\u00fcrde die Astrologie heute erfunden werden, w\u00fcrden die Sternbilder wahrscheinlich \u00bbZ\u00fcndkerzenschl\u00fcssel\u00ab oder \u00bbSmartphone\u00ab hei\u00dfen: \u00bbHallo, ich bin Milchaufsch\u00e4umer mit Aszendent Immobilienmakler\u00a0\u2026\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich besteht unser Universum im Wesentlichen aus einem dunklen, riesengro\u00dfen \u00bbNichts\u00ab\u00a0\u2013 so \u00e4hnlich wie den Freistaaten. Es gibt dort ein paar Stellen, an denen was los ist, aber gemessen an der Ausdehnung des Ganzen sind das Einzelf\u00e4lle. Teilweise k\u00f6nnen Sie eine Milliarde Lichtjahre zur\u00fccklegen, ohne auf eine einzige Leuchte zu treffen. Ich rede jetzt \u00fcbrigens nicht mehr von den Freistaaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mittlere Dichte unseres Universums betr\u00e4gt ein Proton pro Kubikmeter. Das ist unvorstellbar wenig. Allein in einem i-Punkt tummeln sich 500&nbsp;Billionen Protonen. Die Dinger sind so klein, wenn Ihnen da mal eins runterf\u00e4llt&nbsp;\u2013 das finden Sie praktisch nie wieder!<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Rest von diesem Kubikmeter ist leer. W\u00fcrde man die gesamte Materie des Universums in ein Sandkorn packen, dann w\u00e4re das Nichts um dieses Sandkorn herum ein W\u00fcrfel mit einer Seitenl\u00e4nge von 10&nbsp;000&nbsp;Kilometern. Und bei dieser Sch\u00e4tzung sind Schwarze L\u00f6cher und Dunkle Materie noch gar nicht mit ber\u00fccksichtigt! So wenig Inhalt und so viel nutzlose Verpackung&nbsp;\u2013 das kennt man sonst eigentlich nur vom Einpackservice in Douglas-Parf\u00fcmerien.<\/p>\n\n\n\n<p>Folglich scheint es logisch, dass unser Nachthimmel schwarz ist. Schlie\u00dflich ist es in Paderborn nach Sonnenuntergang auch stockfinster. Doch so einfach ist es nicht. Gemessen an seiner Gr\u00f6\u00dfe ist das Weltall zwar ziemlich leer, aber die Anzahl der leuchtenden Objekte ist dennoch riesig. Allein in unserer Heimatgalaxie, der Milchstra\u00dfe, tummeln sich rund 200&nbsp;Milliarden Sterne. Und von diesen Galaxien gibt es im All immerhin 150&nbsp;Milliarden gut sichtbare&nbsp;\u2013 und viele, viele schw\u00e4chere&nbsp;mehr!<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet: Ganz gleich, in welche Richtung ich in den Nachthimmel blicke, irgendwann trifft mein Auge zwangsl\u00e4ufig auf einen leuchtenden Stern. M\u00fcsste dann aber der Nachthimmel nicht eigentlich taghell\u00a0sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der Ersten, der diesen Widerspruch erkannte, war der deutsche Astronom Heinrich Wilhelm Olbers im Jahr 1826. Ein ziemlich helles K\u00f6pfchen. Olbers ging von einem Universum aus, das schon immer da war. Anfang des 19.&nbsp;Jahrhunderts war das die einzig logische Erkl\u00e4rung. Das Universum musste schon immer existiert haben, da Gott auch schon immer existierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute wissen wir, dass unser Universum einen definierten Anfang hat. Vor 13,8&nbsp;Milliarden Jahren&nbsp;\u2013 die \u00c4lteren k\u00f6nnen sich noch dran erinnern&nbsp;\u2013 ist unser Universum quasi aus dem Nichts entstanden. Innerhalb weniger Minuten hat sich fast die gesamte Materie gebildet, und seitdem bl\u00e4ht sie sich auf. Immer gr\u00f6\u00dfer, immer schneller. Manche Forscher glauben sogar, dass diese Expansion irgendwann zum Stillstand kommt und das Universum wieder komplett in sich zusammenf\u00e4llt. Klingt vielleicht ein bisschen utopisch, aber wer vor einiger Zeit sein Geld bei Lehman Brothers investiert hat, wei\u00df, was ich meine.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/pdf\/spektrum-kompakt-dunkle-energie-expansion\/1618034?utm_source=SDW&amp;utm_medium=BA&amp;utm_content=kolumnen&amp;utm_campaign=Inline-Ad\"><\/a>Doch was hat der Urknall mit der Frage zu tun, warum es nachts dunkel wird? Eine ganze Menge. Denn Licht ben\u00f6tigt Zeit, um durch das Weltall zu gelangen. H\u00e4tte unser Universum schon immer existiert, wie Heinrich Wilhelm Olbers annahm, dann w\u00e4re das Licht von jedem einzelnen Stern bereits zu uns gewandert und somit am Himmel sichtbar. Die Nacht w\u00e4re taghell. Dass sie dunkel ist, liegt daran, dass uns das Licht von den meisten Sternen, die dort drau\u00dfen leuchten, noch nicht erreicht hat und uns, auf Grund der permanenten Ausdehnung, m\u00f6glicherweise auch nie erreichen wird, da der Abstand zwischen der Lichtquelle und uns ja immer gr\u00f6\u00dfer wird. Das wiederum f\u00fchrt dazu, dass das Licht auf diesem langen Weg Energie verliert, immer langwelliger und damit f\u00fcr uns immer schlechter erkennbar wird. Und das ist nur m\u00f6glich, weil das Universum nicht unendlich alt ist, sondern einen definierten Beginn\u00a0hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehen Sie, deswegen liebe ich die Physik: Eine vollkommen banale Frage f\u00fchrt zum Ursprung von allem. Denn ein Blick in den Sternenhimmel offenbart nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit. W\u00fcrden uns heute Bewohner unserer Nachbargalaxie Andromeda mit einem Teleskop beobachten, so s\u00e4hen sie die Erde, wie sie vor 2,5\u00a0Millionen Jahren war. So lange ben\u00f6tigt unser Licht, um dorthin zu gelangen. Sie w\u00fcrden also nicht die Einwohner von Berlin, Tokio oder New\u00a0York sehen, sondern Primaten, die in kleinen verstreuten Horden leben, mit ein paar Lauten kommunizieren und fremden Artgenossen argw\u00f6hnisch gegen\u00fcbertreten. Was andererseits wieder an unsere Freistaaten erinnert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schaut man in den n\u00e4chtlichen Sternenhimmel, ist er wirklich fasst pechschwarz. Selbst in klaren N\u00e4chten sind die Sterne nur als schwache Lichtpunkte am flackern. In bestimmten Konstellationen zueinander stehend, ergab dieser Anblick unsere Sternbilder: Die Menschen blickten nach oben und gaben den Sternenkonstellationen Namen, die sie an Dinge erinnerten, mit denen sie t\u00e4glich konfrontiert waren: [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":25,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,5],"tags":[],"class_list":["post-24","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-natur","category-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26,"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24\/revisions\/26"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/25"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tim-kuhlmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}